Trauer um Prof. Dr. h. c. Franz Lehrndorfer

Am 10. Januar 2013 verstarb nach langer und schwerer Krankheit der international bekannte und geschätzte Münchner Orgelprofessor und ehemalige Domorganist Prof. Dr. h. c. Franz Lehrndorfer. Der am 10. August 1928 in Salzburg geborene “Meister der Orgelimprovisation” wurde 84 Jahre alt.

Deshalb findet am Donnerstag, den 31.01.2013 um 17.30 im Münchner Liebfrauendom ein Gedenkgottesdienst mit Kardinal em. Friedrich Wetter unter Mitwirkung der gesamten Dommusik statt:

Gedenkgottesdienst – Franz Lehrndorfer (1928 – 2013): Missa in Gloria Dei u. a.
- Capella Cathedralis und die Mitarbeiter der Domsingschule München, an der Orgel Domorganist Domvikar Msgr. Hans Leitner (Leitung: Domkapellmeisterin Lucia Hilz)

Der amtierende Domorganist  Monsignore Hans Leitner schreibt in seinem Nachruf, wie man es nicht treffender formulieren kann:

“ ….Der in der Orgelwelt wohlklingende Name Lehrndorfer war ein Garant für einen ideenreichen und virtuosen Improvisator, einen stilsicheren und musikalischen Interpreten, sowie für einen gefragten und beliebten Pädagogen. Als solcher wirkte er zunächst bei den Regensburger Domspatzen, ehe er 1969 die Nachfolge seines vormaligen Lehrers, des Prälaten Prof. Heinrich Wismeyer an der Münchner Musikhochschule und am Dom Zu Unserer Lieben Frau antrat. An der heutigen Hochschule für Musik und Theater in München unterrichtete Lehrndorfer bis 1996 laut Absolventenverzeichnis 113 Studenten, von denen zahlreiche ihrerseits wiederum in Spitzenpositionen, seien es Orgelprofessuren, Domorganistenstellen oder andere bedeutende Positionen rückten. Die pädagogische Erfolgsgeschichte wurde von der Hochschule durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt. Als Hochschulprofessor und Abteilungsleiter des Studienganges der Katholischen Kirchenmusik war der Dom Lehrndorfers zweiter Schauplatz, allerdings ohne ihn im Geringsten zu vernachlässigen. Im Gegensatz zu einigen im Olymp ruhenden „Titulairs” spielte er sämtliche am Dom anfallenden Gottesdienste, von den Pontifikalien bis zu den Maiandachten, selbst, wenngleich ihm einige Vertreter zur Seite standen.
Nach 33 Dienstjahren als Domorganist von München beendete Lehrndorfer seine Tätigkeit 2002, nachdem dort das kollegiale Klima zu unerträglich geworden war. Lehrndorfer versah seinen Dienst unter den drei Erzbischöfen Döpfner, Ratzinger und Wetter. Einen Höhepunkt während seiner Ära bedeutete die Planung und Errichtung der neuen großen Domorgel durch die von ihm besonders geschätzte Orgelbaufirma Jann im Zuge der 1994 abgeschlossenen Domrenovierung. Seine langjährige Tätigkeit als Orgelsachverständiger in der Erzdiözese München und Freising kam ihm hierbei zugute. Zu Lehrndorfers 70. Geburtstag erschien die sehr ansprechend gestaltete Festschrift „Dux et comes”, welche auch eine Diskographie gewaltigen Ausmaßes beinhaltet. Bereits 1981 erbrachte die Aufnahmetätigkeit ihm den Deutschen Schallplattenpreis. Unvergesslich sind seine frühesten Schallplatteneinspielungen mit den Kinderlieder- und Weihnachtsliederirnprovisationen, welche der Orgel einen weiten und neuen Interessentenkreis erschlossen. Diese, der deutschen Orgeltradition eines Bach, Reger und Höller entsprungene harmonische und kontrapunktische Natürlichkeit und Frische, die enorme Spielfreudigkeit stehen geradezu typisch für den von ihm geprägten Lehrndorfer-Stil….” (Zitat Ende)

Wie vielen Organisten gab Professor Lehrndorfer mir in meiner Jugendzeit, indirekt durch meine erste “Lehrndorfer-CD” mit Improvisationen über Weihnachtslieder, Impulse und Anregungen zum Endecken von Klängen im Registrieren und Probieren. Für mich war er ab diesem Zeitpunkt ein Vorbild, an das ich in seiner virtuos-, stileigenen und einzigartigen Kunst des Improvisierens, wie mir jederzeit klar war, nie heranreichen konnte. Als Orgelschüler von Stefan Lehrndorfer kam ich erstmals in Kontakt mit der Familie des Meisters. Meine persönliche Begegnung mit ihm im Jahr 2003, im Rahmen des “Sommerorgelkurses Altötting”, wo er als Gastdozent über die “Improvisation in gebräuchlichen Formen und ihre Harmonisation” referierte, ließen mich staunen über die Genialität, Schlichtheit und Geschwindigkeit, die er bei seinen faszinierten Zuhörern im geduldigen Erklären an den Tag legte. Mit seiner freudlichen, bescheidenen, ruhigen und exakten Art erlebten wir Kursteilnehmer damals auch einen aufmerksamen und interessierten, Zuhörer und Ratgeber im Gespräch, wenn es um die  persönliche Situation und deren Berücksichtigung im kirchenmusikalischen Praxisbezug ging. Später, nach Weihnachten 2008 bekam ich auf Zusendung meiner ersten CD Lehrndorfers Neujahrswünsche und  persönliche Dankesworte auf einer Karte mit einem 4-stimmigen Satz über das alte Weihnachtslied “O tröstliche Zeit”, die ich heute noch in Ehren halte!
Wie jeder, der ihm begegnen durfte, dies nie vergisst, verneige ich mich in tiefer Ehrfurcht vor der Persönlichkeit dieses Menschen und genialen Musikers und behalte ihn und diese Erfahrungen herzlichst im dankbaren Gedenken und  im Gebet.

Der ehemalige Münchner Kardinal Michael Faulhaber sagte einmal: “Sterben ist kein ewiges Getrenntwerden – es gibt ein Wiedersehen an einem helleren Tag!”. Mit vielen Menschen durch den gemeinsamen Glauben und die Liebe zur Musik verbunden, darf ich mich auf die Erfüllung dieses Satzes freuen! Bis dahin aber bleibt Franz Lehrndorfer für uns alle lebendig – in unserer Erinnerung und den unvergesslichen Klängen seiner Improvisationen! - RIP.

Korbinian Maier

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Verlinkung zu den Nachrufen:

- von Orgelbau Jann und Domorganist Msgr. Hans Leitner:
http://www.jannorgelbau.com/2013/01/in-memoriam-franz-lehrndorfer/

- von Matthias Keller für BR-Klassik (Bayrischer Rundfunk):
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/leporello/franz-lehrndorfer-nachruf-100.html
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2 Gedanken zu “Trauer um Prof. Dr. h. c. Franz Lehrndorfer

  1. Wir alle, die wir ihn persönlich erleben durften, die wir von ihm gefördert wurden, haben unseren großen und höchst verehrten Meister verloren. Wir dürfen dem Horrgott DANKE sagen, daß wir ihn haben durften, daß wir von ihm so wunderbare Impulse für unsere der Kirche und den Menschen zugewandte Arbeit geschenkt bekommen haben. In stillem und steten Gedenken,
    Albert Schönberger (Domorganist i.R. Mainz)

    • Sehr geehrter Herr Schönberger,

      vielen Dank für Ihren Kommentar auf Meiner Homepage, dem es meinerseits nichts hinzuzufügen gibt!
      Bleiben wir gemeinsam in dankbarer Verbundenheit und im gedenkenden Gebet an diesen Großen Menschen und Musiker!

      Es ist für mich eine große Ehre und freut mich sehr, dass Sie auf meine Homepage aufmerksam geworden sind!
      Ich hoffe Sie schauen mal wieder rein und ermöglichen so, dass wir in Verbindung bleiben können, was mich wiederum sehr freuen würde,
      denn der Mensch lernt ja so lange er lebt und das alleine, denke ich, ist ein großes Geschenk, das ich gerne nützen möchte!

      In herzlicher musikalischer Verbundenheit
      und mit vielen Grüßen aus München

      Korbinian Maier
      (Privatmail: korbinian.maier@gmx.de)

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